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Filmkritik Auslöschung: Wenn die Erde außerirdisch wird

Ex-Machina-Regisseur Alexander Garland macht in der Romanverfilmung Auslöschung einen Teil unserer Erde zu außerirdischem Territorium. Er schafft dabei faszinierende Eindrücke, die ab 12. März bei Netflix zu sehen sind. Allerdings menschelt es dabei zu sehr.

Eine Rezension von veröffentlicht am
Die Forschungsgruppe vor dem Schimmer
Die Forschungsgruppe vor dem Schimmer (Bild: Netflix)

Spoilerwarnung: Wir haben uns im Artikel bemüht, so wenig wie möglich von der Handlung des Films preiszugeben und insbesondere das Ende nicht zu verraten. Grundlegende Motive des Films und die aus Trailern bekannte Ausgangslage sprechen wir dagegen im üblichen Rahmen einer Filmkritik an.

Inhalt:
  1. Filmkritik Auslöschung: Wenn die Erde außerirdisch wird
  2. Eine Pfadfindergruppe auf Selbstfindungstrip

Was Alexander Garland bisher im Science-Fiction-Genre angefasst hat, war mehr als nur gute Kinounterhaltung: Für Danny Boyles Sunshine schrieb er das Drehbuch, bei Ex Machina führte er erstmals selbst Regie. Beide Male nahm er sich Zukunftsszenarien an, die uns Menschen existenziell bedrohen und vor allem an uns selbst scheitern lassen könnten. In seinem neuen Film Auslöschung ist das eine Art Krebserkrankung aus dem All, die unsere Erde befällt. Dass diese Ausgangslage zu spannender Science-Fiction taugt, hat schon Jeff VanderMeers erfolgreiche Buchvorlage bewiesen. Garlands Adaption erinnert nur entfernt an das Original, ist aber genauso faszinierend. Noch beeindruckender wäre sie geworden, wenn Garland der Versuchung widerstanden hätte, alles zu erklären und die Protagonisten auf den Selbstfindungstrip zu schicken.

Der Schimmer sieht ein wenig so aus, als liefe ein Gemisch aus Seifenblasenlotion und Ölfarbe eine Glaswand herunter. Er ist eine halbdurchsichtige Barriere, die sich um ein Küstengebiet in den USA gebildet hat. Wer sie durchschreitet, ist sogleich ohne jeden Funkkontakt verschollen. Selbst Kompasse sind hier nicht zu gebrauchen, und auch das Zeitgefühl geht schnell verloren. Nur einer ist bisher lebendig zurückgekehrt: der Ehemann der Protagonistin Lena (Natalie Portman), der kurz darauf ins Koma fällt. Sie beschließt, selbst eine Expedition ins Innere des Gebildes zu wagen - trotz ungewisser Rückkehr.

Wie in einer übergroßen Petrischale scheint die Vegetation im Schimmer zu stärkerem Wachstum angeregt zu werden, und das Forscherteam trifft auf Hybriden unterschiedlicher Tierarten, die es nach bekannten Gesetzen der Genetik nicht geben dürfte. Das Areal mag wunderschön aussehen, für Menschen ist es recht ungastlich, hat geistesverändernde Einflüsse und wächst immer weiter. Das Phänomen und der Umgang mit ihm ist ein interessanter Stoff, der zu philosophischen Betrachtungen anregt - der englische Titel Annihilation weist darauf hin. Er steht in der Teilchenphysik für Paarvernichtung, bei der ein Elementarteilchen und sein Antiteilchen aufeinandertreffen und sich dabei in Energie verwandeln.

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Wiederholt stellt der Film die Frage, ob Zerstörung etwas Schlechtes ist, wenn dadurch eine neue Welt erschaffen wird. Und ob die Menschheit sich selbst aufgeben sollte, um etwas Besseres entstehen zu lassen. Auf dieser Ebene regt die Filmversion von Auslöschung so zum Nachdenken an, wie gute Science-Fiction es unserer Meinung nach tun sollte: Auslöschung ist immer dann fantastisch, wenn er Garlands Vision von Flora und Fauna des Schimmers sowie später den außerirdischen Ursprung des Phänomens in den Mittelpunkt rückt.

  • Die Waffen täuschen, denn Auslöschung ist kein Actionfilm. (Bild: Netflix)
  • Lena (Natalie Portman) und Ehemann Kane (Oscar Isaac) nach dessen Rückkehr aus dem Schimmer (Bild: Netflix)
  • Die Forschungstruppe lernt sich bei ein paar Bier kennen. (Bild: Netflix)
  • Vermischte DNA: Alligatormund tut Haifischzahn kund. (Bild: Netflix)
  • Nächtlicher Angriff auf den Rastplatz der Forschergruppe (Bild: Netflix)
  • Lena auf der Suche nach dem Ursprung des Schimmers (Bild: Netflix)
  • Regisseur und Drehbuchautor Alexander Garland im Gespräch mit Natalie Portman (Bild: Netflix)
  • Beginn der Expedition in den Schimmer (Bild: Netflix)
  • Jennifer Jason Leigh als Dr. Ventress (Bild: Netflix)
  • Kein Lebenszeichen der vorherigen Expeditionen in Sicht (Bild: Netflix)
  • Josie Radek (Tessa Thompson) untersucht die Flora. (Bild: Netflix)
Josie Radek (Tessa Thompson) untersucht die Flora. (Bild: Netflix)

Garland hat sich aber nicht darauf verlassen, sondern wagt eine Neuinterpretation der Buchvorlage, die sich stärker auf psychische Aspekte der Hauptfiguren fokussiert und in Vor- und Rückblenden auch viel mehr von der Handlung erklärt. Die verfremdete Naturlandschaft wird zur symbolischen Bühne für die Probleme der Menschen mit sich selbst. Die allesamt weiblichen Mitglieder der Expeditionsgruppe sind aus unterschiedlichen Gründen innerlich gebrochen. Sie sehnen sich beinahe nach außerirdischen Kräften, um sich wieder selbst zu finden - oder zumindest Erlösung. Mit jeweils sehr unterschiedlichem Ausgang.

An sich haben wir nichts gegen die Neuinterpretation einer Geschichte, solange sie gut funktioniert. In Interviews hat Regisseur und Drehbuchautor Alexander Garland nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sich seine Fassung von Auslöschung stark vom Roman unterscheiden würde. Er beschreibt die Basis für das Skript als traumartige Erinnerung an das Buch, das er vorher nur einmal gelesen habe. Gleichzeitig bekundet er häufig, wie sehr ihn selbstzerstörerische Züge an Menschen und ihrer Psyche faszinieren, besonders in dysfunktionalen Beziehungen.

  • Die Waffen täuschen, denn Auslöschung ist kein Actionfilm. (Bild: Netflix)
  • Lena (Natalie Portman) und Ehemann Kane (Oscar Isaac) nach dessen Rückkehr aus dem Schimmer (Bild: Netflix)
  • Die Forschungstruppe lernt sich bei ein paar Bier kennen. (Bild: Netflix)
  • Vermischte DNA: Alligatormund tut Haifischzahn kund. (Bild: Netflix)
  • Nächtlicher Angriff auf den Rastplatz der Forschergruppe (Bild: Netflix)
  • Lena auf der Suche nach dem Ursprung des Schimmers (Bild: Netflix)
  • Regisseur und Drehbuchautor Alexander Garland im Gespräch mit Natalie Portman (Bild: Netflix)
  • Beginn der Expedition in den Schimmer (Bild: Netflix)
  • Jennifer Jason Leigh als Dr. Ventress (Bild: Netflix)
  • Kein Lebenszeichen der vorherigen Expeditionen in Sicht (Bild: Netflix)
  • Josie Radek (Tessa Thompson) untersucht die Flora. (Bild: Netflix)
Lena (Natalie Portman) und Ehemann Kane (Oscar Isaac) nach dessen Rückkehr aus dem Schimmer (Bild: Netflix)

Schon sein Regiedebüt Ex Machina stellte nur scheinbar die KI seines Androiden auf die Probe, in Wirklichkeit musste sich der Mensch selbst hinterfragen. Dass sich Ähnliches im Kern von Auslöschung wiederfindet, überrascht daher nicht, tut dem Film allerdings keinen Gefallen. Die Vorerzählung und auch die Rückblenden gehören zu den schwächeren Teilen des Films. Sie erklären die Hintergründe viel zu genau - etwa, was die Naturwissenschaftlerin und Exsoldatin Lena zu ihrer Expedition in den Schimmer bewegt.

Auch die persönliche Geschichte von Lena und ihrem Mann Kane ist zwar mit dem Rest der Handlung verwoben, erzählerisch aber bei weitem nicht so facettenreich und emotional erzählt wie etwa Solaris, das hier zusammen mit Andrei Tarkowskis anderem Meisterwerk Stalker mit seiner verbotenen Zone als Vorlage gedient zu haben scheint. Immer, wenn sich der Film wieder der Hauptfigur und ihren Beziehungsproblemen widmet, wünschen wir uns, doch schnell zum Erkundungsaspekt der Reise zurückzukehren.

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MickeyKay 20. Mär 2018

Welche denn? (Ehrliches Interesse)

Clown 19. Mär 2018

Ich würde vorschlagen immer zuerst vor der eigenen Haustüre zu kehren.. Btw: Beide Links...

xy-maps 18. Mär 2018

Je nachdem auf was für ein Monitor schaust, kann es sein das dieser den Kopierschutz...

Carl Weathers 17. Mär 2018

Klasse, danke. Jetzt musste ich nur die Antwort auf meinen Kommentar überfliegen, um...

aha47 16. Mär 2018

Wirf den alten Röhrenfernseher und das 56k-Modem halt weg.


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